Fototag im Ausweichsitz NRW
Am 29.04.2012 bin ich gemeinsam mit Peter und Thorsten nach Urft gefahren, um am Fototag im Ausweichsitz NRW teilzunehmen. Dieser zivile Bunker sollte im Falle eines Atombombenangriffes als Ausweichsitz der Landesregierung Nordrhein-Westfalen dienen und wurde in den 60ern unter strengster Geheimhaltung in nur drei Jahren Bauzeit errichtet. Der Bunker konnte 200 Menschen für mindestens 30 Tage Schutz bieten (für diese Dauer sind sämtliche (Kraftstoff-) Vorräte ausgelegt). Ca. 30 Jahre wurde der Bunker in Bereitschaft gehalten. Was wir alle sehr erstaunlich fanden, ist die Tatsache, dass nur ein Bunkerwart den Betrieb sicher stellte und über diesen Zeitraum alles am Laufen hielt.
Heute dient der Bunker als begehbare Dokumentationsstätte und ist, bis auf kleine Ausnahmen, in einem gut erhaltenen Zustand. Wer sich für Bunker bzw. den Kalten Krieg und seine Auswirkungen interessiert, sollte sich dieses Bauwerk unbedingt einmal ansehen.
Bevor man Zeit hat, auf eigene Faust durch den Bunker zu ziehen und Bilder zu machen, wird man in einer ca. 2 stündigen Führung mit dem Bunker vertraut gemacht und erfährt jede Menge darüber, wie ein Bunker überhaupt funktioniert und welche Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung aus dem Bunker heraus ergriffen werden sollten. Man wird quasi selbst zum Bunkerinsassen.
Nachdem heute morgen meine Kollegen und ich den Sitz der Landesregierung aus bisher unbekannten Gründen verlassen mussten, sitzen wir nun in einem Bus und fahren Richtung Eifel. Einige Kollegen wurden durch Polizeikräfte von ihrem Wohnsitz abgeholt und zu den Bussen gebracht. Keiner weiß genau was passiert ist, aber eine dunkle Vorahnung steigt in mir auf. Bei uns allen macht sich eine bedrückende Stimmung breit und nachdem wir mitgeteilt bekommen, was der Grund für unseren unfreiwilligen Ausflug ist, wird die Stimmung noch beklemmender. Die Sorge um die eigene Familie steigt, wohl wissend, dass wir zu diesem Zeitpunkt für unsere Familien nichts, aber auch gar nichts tun können.
So einfach der Grund, so erschreckend ist er auch gleichzeitig, denn der bisher Kalte Krieg scheint heiß zu werden und ein atomarer Angriff seitens der Sowjetunion steht wahr-scheinlich bevor. Die Bundesregierung hat zu ihrem Schutz bereits den Regierungsbunker in Ahrweiler besetzt und die Landesregierungen angewiesen, ihre Ausweichsitze zu belegen. Ein beklemmendes Gefühl breitet sich in meiner Magengegend aus, aber für solche Gefühle hat nun keiner von uns Zeit, denn wir müssen schnellstmöglich unsere Arbeit im Ausweich-sitz aufnehmen.
Unsere Fahrt endet vor einem unscheinbaren Haus in einem kleinen Ort Namens Urft. Wir steigen aus und werden durch eine Doppelgarage geführt, hinter der eine Treppe einige Stufen den Berg hinauf führt. Durch eine massive Druckschleuse gelangen wir ins innere des Bunkers. Hier müssen wir nun also so lange ausharren, bis sich die Lage entspannt, oder im schlimmsten Fall, unsere Vorräte zu Neige gehen. Zeit, sich darüber Gedanken zu machen, bleibt keinem von uns, denn wir müssen unsere Arbeit im Bunker aufnehmen, die Referate besetzen, Kontakt zum Regierungsbunker in Ahrweiler und zu den Warnämtern aufnehmen. Wir sind hier drin ja blind und auf die Informationen von außen angewiesen.
Jetzt heißt es abwarten …
Der Bunker musste zum Glück niemals besetzt werden, aber spannend war es dennoch, einen “Zeitzeugen” des Kalten Kriegs zu besichtigen.
UPDATE: Thorsten hat ebenfalls Bilder auf seiner Webseite eingestellt