In der Nähe der Grube Messel steht ein verlassener Gebäudekomplex im Wald, der langsam aber sicher verfällt. Nach einem Brand im Jahr 1994 nagt der Zahn der Zeit an den Mauern. Das wollte ich mir einmal aus der Nähe betrachten und zog im letzten Sommer los, um die Gegend zu erkunden.

Vor Ort angekommen bahne ich mir einen Weg durch ein kleines Waldstück, bis sich mir das Clubhotel auf einer Lichtung präsentiert. Gebäude und Gelände sind wesentlich größer und weitläufiger als ich vermutet habe. Ein wenig unbehaglich ist es hier auch. Ich mache mich daran, die einzelnen Gebäudeteile zu begehen. Nicht wenige Personen sind scheinbar schon hier gewesen, denn die Wände sind mit Graffiti vollgeschmiert und es liegt allerhand Müll herum. Das Hauptgebäude ist U-Förmig aufgebaut und über eine Außentreppe gelange ich in den ersten Stock, der unter freiem Himmel liegt, denn das Dach wurde durch den Brand komplett zerstört. Ich mache einige Fotos und entdecke ein Treppenhaus, oder zumindest das, was davon noch übrig ist. Über die halb verfallene Treppe gelange ich nach unten ins Erdgeschoss. Düster ist es hier und das unbehagliche Gefühl, welches ich bereits Anfangs vernommen habe, wird intensiver. Als gäbe es eine Quelle, welcher dieses Gefühl entsprungen ist und der ich näher gekommen bin. Ich halte einen Moment inne und spüre, dass sich das Gefühl bewegt hat. Dass sich das Gefühl bewegt hat hallt es in meinem Kopf nach. Ich wische diesen verrückten Gedanken beiseite und gehe weiter in den dunkleren Teil des Gebäudes.
Ich bemerke etwas rechts neben mir, aber als ich meinen Kopf drehe, ist da nichts. Nur dieses unbehagliche Gefühl, das sich hierher verirrt hat, schwirrt weiter durch die Luft, durch mich hindurch, prallt von den Wänden ab ohne dabei an Energie zu verlieren und setzt sich immer weiter fort, als würde es durch den Verfall des Gebäudes genährt und angetrieben werden. Dann sehe ich es wieder im Augenwinkel, wie ein schwacher Schatten der vorbeihuscht. So sehr ich auch versuche es wirklich zu erblicken, gelingt es mir nicht. Es verschwindet wieder, rutscht in den Augenwinkel zurück und verharrt dort. Wirklich furchteinflößend ist es aber nicht und so seltsam es klingen mag, kommt mir dieses Gefühl bekannt vor. Jetzt hör endlich auf Dir etwas zusammen zu spinnen höre ich mich sagen. Ich gehe weiter, versuche das Gefühl zu ignorieren und meine Gedanken auf etwas anderes zu lenken. Kacheln, die längst von der Wand gefallen sind oder gewaltsam abgerissen wurden, zerbrechen mit einem lauten Knacken unter meinen Füßen während ich mir einen Weg ins Freie suche. Das unbehagliche Gefühl wird schwächer und auch der Schatten verschwindet bei Tageslicht wieder aus dem Augenwinkel.
Gibt es so etwas wie Geister? Ich glaube eher nicht. Verirrte Gefühle? Wahrscheinlich schon. Eines davon ist mir im Clubhotel begegnet. Oder hast Du Dir das alles nur eingebildet? schallt es in meinem Kopf während ich diese Zeilen schreibe.